Lebe lang und in Frieden / Büffeljagd auf indianische Art

Die kalte Nacht hatten wir beide gut überstanden und nach dem Aufstehen sofort wieder die Gasheizung angedreht. Nach unserem Frühstück bei einer heißen Kanne Kaffee fuhren wir weiter in Richtung Süden, mit der Hoffnung auf mildere Gefilde. Durch Vulcan County ging es dann hunderte Kilometer weit geradeaus auf den Highways. Mit eingeschaltetem Tempomat war das Fahren fast ein bisschen eintönig. Aber durch Jessis Musikauswahl war es dann doch ganz angenehm.

Erster Zwischenstop war Vulcan, wo uns das eigentümliche Visitor Center ins Auge viel, welches wie ein Raumschiff aussah. Wir wollten eigentlich nur für eine Pinkelpause halten, aber das Gebäude interessierte uns dann doch. Als wir dieses betraten, fühlten wir uns sofort in unsere Kindheit zurück versetzt, als wir Abends gemütlich auf dem Sofa saßen und die neuste Folge Star Trek guckten. Die Stadt hatte aus ihrem eigentümlichen Namen, der dem Heimatplaneten des Volkes der Vulkanier gleicht, Kapital geschlagen und sich zu einem Pilgerort für Treki-Fans aufgebaut. Es findet dort jährlich sogar eine Star-Trek-Convention statt. Selbst der Darsteller des Mr. Spocks – Leonard Nimoy – war vor einigen Jahren persönlich vor Ort gewesen.

Mr. Spoks Kuscheltier Sehlat war ausgestellt und allerlei andere Kuriositäten.

Als Andenken haben wir ein Foto von uns in Star-Trek-Uniform vorm Teleporter schießen lassen.

Dann fuhren wir belustigt weiter zum nächsten Haltepunkt dem Head-Smashed-In Buffalo Jump – westlich von Fort Macleod.

Der Head-Smashed-In Buffalo Jump ist ein historischer Jagdgrund, wo nordamerikanische Blackfoot-Indianer Bisons erlegen. Der Ort, an dem das Museum gebaut wurde, wurde 1981 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Dort wurden aufgrund der günstigen Gegebenheiten Bisons von einer Ebene über die Klippe getrieben. Am Fuße der Klippe lebte ein Stamm der Blackfoot-Indianer, für welchen die in die Tiefe gestürzten Bisons die Lebensgrundlage darstellten. Die Indianer verwerteten alles von den Bisons und es wurde nichts verschwendet.

Eine indianische „Erinnerungsschrift“ auf einer Bisonhaut. Sie dokumentiert in kleinen Piktogrammen die wichtigsten Ereignisse, wie Jagderfolge oder Pockenepedemien, in den letzten Jahren der Blackfoot-Gemeinschaft bis zum Verschwinden der großen Bisonherden in den 1880er Jahren.

Hunde dienten den Indianern als Lastenträger. Pferde kamen erst durch die „Männer mit den kurzen Haaren“, wie die Europäer von den First Nations genannt wurden.

Die Einwanderer erlegten die Büffel bald in großem Stil, aber waren verschwenderisch bei der Weiterverarbeitung – wie hier zu einem Büffel-Mantel. Die Verschwendung gipfelte darin, dass später über die Eisenbahnlinien Vergnügungsfahrten zur Bisonjagd statt fanden. Die dabei sinnlos geschossen Büffel ließ man einfach verrotten und dezimierte dabei den Bisonbestand dramatisch. Ein historisches Beispiel für eine sinnlose Verschwendung, nur zum Vergnügen Einzelner.

Alles in allem ist dies ein sehr gutes Museum, was den Lebensstil der First Nations an diesem Ort sehr gelungen und authentisch darstellt.

Als wir aus dem Museum heraus kamen begrüßten uns Rehe, welche sich beim Grasen nicht stören lassen wollten. Die Aussicht auf die Klippen war von hier aus leider nicht sonderlich gut und die Aussichtsplattform des Museums war wegen Schneefalls gesperrt gewesen.

Einzig eine Zeichnung der Klippe im Museum ließ uns deren wahre Höhe erkennen.

Die heutige Übernachtung erfolgte in der Nähe des Oldman River Dams nicht weit von Pincher Creek. Diesmal erwartet uns eine noch eisigere Nacht, so dass wir auf die volle Gasflasche umstellten und den Heizer – auf niedriger Stufe – die ganze Nacht über laufen ließen. Wie wir am nächsten Tag erfahren hatten, lagen die Tiefstwerte in dieser Nacht sogar bei -16°C. Das war die kälteste Nacht, die wir in Kanada erlebten. Dank Dauerheizen aber merklich angenehmer als die vorherige.

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