Haus aus Glas und Fahrt nach Kaslo

Am nächsten Morgen verließen wir Creston in Richtung Norden. Auf dem Highway 3a fuhren wir immer entlang der Küste des Kootenay Lakes. Auf dieser zweispurigen Straße mit ihren vielen Kurven (zu Jessis Leidwesen) machten wir am Hafen von Kuskonnook kurz Halt.

Zu unserem großen Bedauern mussten wir feststellen, dass Kootenay Country zwar über ein sehr angenehmes Klima verfügt (frostfreie Nächte auch in den Wintermonaten, kaum Wind), darunter allerdings die Fernsicht leidet und es insgesamt in den Tälern zwischen Purcell, Selkirk und den Monashee Mountains immer recht diesig ist.

Unser nächster Halt galt einem architektonischen Kuriosum mit dem Namen “ The Glass House“. Obwohl der Name sehr an einen Horrorfilm erinnert, hat diese Sehenswürdigkeit nur einen Gruselfaktor in sich: die Wände bestehen aus Flaschen, die früher einmal eine Einbalsumierungsflüssigkeit enthielten. Dieses Gebäude ist nämlich das Lebenswerk des langjährigen Bestatters David Brown.

Nach seiner Pensionierung in den 1950er Jahren setzte sich David Brown in den Kopf, ein Haus mit seinen eigenen Händen zu errichten. Dazu wollte er die nicht recycelten Glasflaschen aus den Bestattungsinstituten Westkanadas nutzen. Über seine beruflichen Verbindungen konnte er schlussendlich ca. 500.000 Flaschen für seinen Hausbau auftreiben. Die Flaschen wurden nur mit Zement und ein bisschen Drahtgeflecht fixiert. So entstand ein Haupthaus mit drei Räumen und einer Wohnfläche von ca. 106 qm. Noch heute versprüht die Inneneinrichtung den Charme der 50er und 60er des letzten Jahrhundert.

Auch an der Gestaltung der Außenanlagen hat sich David Brown noch maßgeblich beteiligt bis zu seinem Tod 1970. Seit diesem Zeitpunkt erweitert und restauriert die Familie des skurrilen Bauherren das Anwesen kontinuierlich, hauptsächlich auch da es bis heute als Winterdomizil der Familie dient.

Danach ging es weiter Richtung Fährableger in Kootenay Bay. Dort mussten wir den Kootenay Lake überqueren um weiter in Richtung Vancouver zu gelangen. Während wir auf die Fähre warteten, erkundigten wir uns im angrenzenden Café „Ladybugs“ nach der aktuellen Uhrzeit (laut unserem Kartenmaterial verlief die Zeitzonengrenze direkt mittig durch Kootenay Lake). Zu unserem Glück galt auch schon auf der diesseitigen Uferseite die Pacific Standard Time, so dass wir unsere Uhren eine Stunde zurückstellen konnten und nur noch eine halbe Stunde bis zur Ankunft der Fähre warten mussten.

Die einzige Bedingung, die wir zu erfüllen hatten, war das komplette abdrehen der beiden Propangasflaschen (Reduzierung der Brandgefahr etc). Danach stand unserer Fährüberfahrt auf der Ospreys nichts mehr im Wege. Die Überfahrt dauerte 35min und war komplett kostenlos (ein Luxus den wir spätestens auf unserem Weg nach Vancouver Island schmerzlich vermissen würden)!

Unsere Fährfahrt endete in Balfour. Dort angekommen, nahmen wir den Highway 31 Richtung Norden um nach 30 Kilometern kurviger Gebirgsstraße den kleinen Badeort Kaslo zu erreichen. Im Innerstädtischen Muncipal Campground schlugen wir unsere Zelte auf und erkundeten den Badeort per Pedes.

Die erste Sehenswürdigkeit, die es zu bestaunen gab, war der Museumsdampfer SS Moyie. Dieser Schaufelraddampfer vom Baujahr 1898 wurde bis in die 1960er Jahre betrieben. Die Einheimischen retteten dieses Schmuckstück in den 1980er Jahren vor der endgültigen Verschrottung und halten ihn seitdem durch kontinuierliche Instandsetzungsmaßnahmen über Wasser.

Generell hat man den Eindruck, dass die Einwohner Kaslos sehr an ihrer Tradition als Badeort festhalten. Der Ort hatte sich bereits um 1900 zu einem Badeort gemausert, zu der Zeit als noch Trapper und Goldsucher in den umliegenden Bergen nach dem schnellen Geld suchten. Das Stadtbild enthält noch viele „alte“ Holzhäuser vom Beginn des 20. Jahrhunderts, die anderswo wahrscheinlich schon durch neuere Bauweisen ersetzt wurden wären. Dieser bewahrende Gedanke war eine schöne Abwechslung zum sonst so modernen Kanada.

Zum Abschluss machten wir noch einen einstündigen Spaziergang entlang des Kaslo River Trails. Der Wanderweg war erst 2007 komplett neu angelegt worden, so dass es sehr abwechslungsreiche Wegbegebenheiten zu überwinden galt. Vom Geröllfeld bis zu komplett bemoosen Wegen war alles dabei.

Als kleine Belohnung gönnten wir uns ein fürstliches Dinner im ansässigen mexikanischen Restaurant, in dessen Inneneinrichtung sich Jessi sofort verliebte. Auch die bestellten Cocktails, insbesondere der Magaritha, waren erstklassig gewesen.

Nach dieser kleinen Stärkung torkelten wir zurück zu unserem gemütlichen Alkovenbett.

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