Von der Geisterstadt nach Vernon

Von Kaslo fuhren wir zunächst entlang des Highways 31A in Richtung Westen. Unser Weg führte uns durch scheinbar endlose Wälder und erst an der Kreuzung „Tree Forks“ machten wir einen Abstecher – zur Geisterstadt namens Sandon.

Im 19. Jahrhundert war es die inoffizielle Hauptstadt dieser Bergbauregion mit über 5.000 Einwohnern. Hier wurde zur Zeit des „Silvery Slocan“ (Berggeschrei von 1890 bis 1910) Silber abgebaut und selbst einige Jahrzehnte nach dem Ende des Silberrausches prosperierte das Örtchen aufgrund seines hervorragenden Anschlusses an das Schienennetz der Canadian Pacific Railway. Der Niedergang von Sandon wurde durch eine verherrenden Flut im Jahr 1955 besiegelt, die große Teile der Stadt zerstörte. Eine Legende besagt, dass heute noch immer mehr als 10.000 Silbermünzen irgendwo auf dem Grunde des Carpenter Creeks liegen sollen.

Als wir den Carpenter Creek mit Hilfe dieser alten Holzbrücke überquerten, erspähten wir leider keinen Silberschatz im Bachbett.

Auf der anderen Seite war ein altes Wasserkraftwerk zu begutachten. Dies ist eines der ältesten Wasserkraftwerke in British-Columbia und wurde schon um 1900 in Betrieb genommen. Kaum zu glauben, dass die Anlage immernoch in Betrieb ist, obwohl sie kaum von den staatlichen Subventionen zur Erzeugung umweltfreundlicher Energien profitieren kann, da diese Förderungen auf Großbetriebe fokussiert sind.

Danach wollten wir das örtliche Museum besuchen. Leider war es außerhalb der Saison nicht mehr geöffnet.

Bei starkem Regen schauten wir uns in dem kleinen Örtchen, mit gerade mal noch einer handvoll Einwohnern, nach einem trockenen Plätzchen um.

Diese alten Busse waren einst Teil des öffentlichen Nahverkehrs von Vancouver. Weshalb sie hier ihre letzte Ruhestätte erhalten haben, blieb uns schleierhaft. Der restaurierte Oldtimer wirke zwischen all den rostenden Autobussen seltsam fehl am Platz.

In der ehemaligen City Hall fanden wir ein trockenes Plätzchen und als Bonus gab es noch Kaffee und ein paar Muffins. Die dreistöckige City Hall hatte in der Vergangenheit die vielfältigsten Funktionen, beispielsweise als kulturelles Zentrum mit diversen Geschäften, als Schulgebäude und später bot es Platz für das örtliche Gefängnis und die alte Feuerwache. Jetzt war in der untersten Etage nur noch ein kleines Geschäft, welches eher an einen A&V mit allerlei Krimskrams erinnerte.

Eine alte Dampflock war auch noch ausgestellt. Vermutlich fuhr sie früher auf einer der beiden Zugstrecken, die mittlerweile zu Wanderwegen umgebaut worden sind.

Unser nächster Zwischenstop befand sich in New Denver, das Nikkei Internment Memorial Centre. Zur Zeit des zweiten Weltkrieges waren hier 10.000 kanadische Staatsbürger mit japanischen Wurzeln zwangsumgesiedelt worden. Diese Internierungslager waren aus der Angst heraus entstanden, die eigenen Landsleute könnten Sabotageakte für das feindliche Lager begehen.

Leider war auch hier schon die Besichtigungssaison beendet worden, so dass wir nur ein paar kurze Bilder von den Außenanlagen machen konnten und nun dem Hwy 6 in Richtung Nakusp folgten. Am Summit Lake machten wir den letzten Fotostop des Tages.

Aufgrund des regnerischen Wetters beschlossen wir am späteren Nachmittag noch die Nakusp Hot Springs zu besuchen. Das Wasser war angenehm warm und die Anlage gut gepflegt. Aber nach ca. 1,5 Stunden wurde es uns dann doch zu langweilig. Diese Hot Springs sind in Kanada wirklich nur warme Becken ohne weitere Funktionen. Im Vergleich zu deutschen Thermalbädern sind diese Einrichtungen eine echte Enttäuschung. Selbst so simple Dinge wie ein Armband für den Spindschlüssel sind nicht vorhanden, sondern man darf mit einer große Sicherheitsnadel rumhantieren. Auch das bargeldlose Bezahlen mit Chiparmbändern ist hier scheinbar unbekannt und das in einem Land, wo man selbst die kleinsten Beträge mit Kreditkarte begleichen kann.

Der Campground direkt am Hot Spring war vollkommen ausgebucht, weil Thanksgiving den Kanadiern ein langes Wochenende bescherte. Ganz in der Nähe von Nakusp gab es aber noch weitere gute Campingplätze. So war es kein Problem noch einen Stellplatz für diese Nacht zu finden.


Nachdem wir getankt und unsere Abwässer an der Dumpstation einer Tankstelle entleert hatten, fuhren wir am nächsten Tag von Nakusp weiter auf dem Hwy 6 nach Vernon. Unterwegs überquerten wir den Upper Arrow Lake, wiederum mit einer kostenlosen Fähre.

Dann ging es weiter entlang des sehr kurvenreichen Hwy Nr. 6. In Cherryville haben wir kurz Rast an einem Roadhouse gemacht. Dort wurden uns ziemlich leckere Burger serviert. Jessi hatte hier, laut eigener Aussage, ihren besten Burger in Kanada verspeist. Als wir es uns munden ließen verwickelte uns ein älterer eingefleischter Biker noch in ein freundliches Gespräch.

Dann kamen wir nach längerer Fahrzeit in Vernon an und tauschten dort unsere leere Gasflasche an einer Tankstelle aus. Oftmals war es an Tankstellen kein Problem diese Flaschen einfach zu tauschen. Nur beim ersten Mal in Golden wollte uns der Tankwart partu kein Propangas verkaufen. Vermutlich weil wir einen „Refill“ verlangten statt einem „Exchange“, wie wir später mutmaßten.

Im nahe gelegenen Kalamalkan Lake Provincial Park haben wir dann noch das, an diesem Tag, sehr schöne Wetter für eine Wanderung genutzt. Diese ging über 6 km entlang des Wall Loop Trails einschließlich des Parabola Lookouts.

Auch hier begegnete uns in der Abenddämmerung ein Reh und die Aussicht vom Parabola Lookout war kurz vor dem Sonnenuntergang sehr idyllisch. Unseren Camper erreichten wir dann gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit.

Die Nacht verbrachten wir auf dem etwas südlich von Vernon gelegenen Kekuli Bay Provincial Park Campground.

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