Pause in Peachland und Tagesritt nach Vancouver Island (ein Hoch auf die HOV- Lane)

Am nächsten Morgen schlief Imre, nach der anstrengenden Fahrt vom Vortrag, lange aus. Es war ein recht trüber Morgen und am Kalamalkan Lake war es deshalb recht grau in grau gewesen.

Nach dem späten Frühstück fuhren wir los, um an diesem Tag eine vergleichsweise kurze Strecke bis Peachland zurück zu legen. Dabei passierten wir allerdings die Großstadt Kelowna. Und wie wahrscheinlich in beinahe jeder Großstadt, mussten wir uns hier mit regem Straßenverkehr herumärgern und gefühlt hundert Ampeln überwinden. Ziemlich entnervt beschlossen wir die HOV-Lane zu benutzen, um schneller und stressfreier durch den Berufsverkehr zu kommen. Die HOV-Lanes sind hier Fahrspuren, speziell für bestimmte Fahrzeuggruppen oder Fahrzeuge mit einer gewissen Anzahl an Passagieren. Soweit wir die Verkehrszeichen deuten konnten, glaubten wir zu verstehen die Kriterien erfüllt zu haben. Somit kamen wir dann deutlich schneller und nervenschonender durch Kelowna. Eine tolle Sache hier mit diesen HOV-Lanes, ob sich das in Deutschland umsetzen ließe, bezweifelten wir allerdings. Schließlich kamen wir dann in Peachland, an unserer Station für die nächsten zwei Tage, an. Der dortige Campground befand sich direkt am Okanagan Lake und die Temperaturen waren endlich wieder milder. Vom Klima her erinnerte es uns ein bisschen an den Mittelmeerraum. Am Nachmittag machten wir noch einen Spaziergang zur nächstgelegenen Bäckerei mit Bistro. Dort gab es eine fantastische Auswahl an Kuchen, Sandwiches, Panini und sonstigen Leckereien und richtig guten Kaffee. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war auch absolut spitze. Am Abend nutzten wir noch die örtlichen Duschen auf dem Campground und verbrachten den nächsten Tag auch noch hier zur Entspannung.

Die lange Standpromenade von Peachland eignet sich hervorragend zum Joggen, was Jessi auch an beiden Abenden, mit Musik auf den Ohren, tat.
Die Ahornbäume bekamen jetzt hier gegen Ende Oktober eine herrliche Blätterfärbung.
Die Häuser waren recht schick mit gut gepflegten Vorgärten und meistens ohne Zäune drumherum.
Ein Oldtimer von Ford vermutlich aus den 1950ern.

Nach zwei Tagen süßem Nichtstun bereiteten wir uns auf eine längere Fahrstrecke vor. Da wir nur noch eine Woche Camperleben vor uns haben würden, machten wir einen letzten Versorgungseinkauf beim IGA – einem Super Store – in Peachland, bevor es auf dem Highway 5A in Richtung Hope weitergehen sollte.

Kurz nachdem wir das Tal des Okanagan Lakes verlassen hatten, gerieten wir in einen heftigen und langanhaltenden Landregen, der uns die ganze Strecke bis zum Fähranleger in Horseshoe Bay begleiten sollte. Auf dieser Nebenstrecke des Highways 5 bzw. 5A gab es nicht viel zu bestaunen, außer dass man direkt durch die Abbaugebiete der hiesigen Holzwirtschaft fuhr. Es lässt einen wirklich ins Grübeln geraten, in wie weit es sich um „nachhaltige“ Forstwirtschaft handeln soll, wenn in einem geschlossenen Waldgebiet plötzlich ein kompletter Kahlschlag von mehreren Quadratkilometern zu sehen ist (siehe Bild unten). Vielmals sind noch nicht mal alle geschlagenen Bäume zur weiteren Nutzung abtransportiert wurden und Wiederaufforstungsmaßnahmen lassen sich auch nur selten dokumentieren.

Nach zweieinhalb stündiger Fahrt erreichten wir die Stadt Hope und waren der Zivilisation wieder ganz nah. Bei unserer Steppvisite im Visitor Center studierten wir den Wetterbericht für die nächsten Tage. Da für die kommenden Tage ausnahmslos Dauerregen angesagt wurde, entschieden wir uns gegen einen Aufenthalt in Hope und für die Weiterfahrt zur Westpazifischen Küste. Im Visitor Center trafen wir noch auf ein zankendes Touristenpäarchen, dessen männlicher Part sich beim Gehen an Imre wendete und ihm zuraunte „Never Marry!“. Mit diesen weisen Worten im Gepäck brachen wir in Richtung Fährableger Horseshoe Bay im Norden Vancouvers auf.

Da wir nun auch wieder auf dem TCH (Trans Canadian Highway) unterwegs waren, nahm der Verkehr spürbar zu. Wir durchfuhren das Fraser Valley, nahe Abbotsfort, dass durch zwei Dinge geprägt war: der Obst- und Gemüseanbau und die Nähe zur Amerikanischen Grenze.

In Vancouver bekamen wir auch deutlich den Berufsverkehr zu spüren und befürchteten fast, dass wir die Fähre nach Vancouver Island um 18:30 Uhr verpassen würden. Hier rettetet uns wiederum die HOV-Lane, mit der wir an einem Großteil des Stop and Go vorbeifahren konnten.

Der Fähranleger von Horseshoe Bay war uns schon durch unseren Tagesausflug nach Bowen Island bekannt gewesen. Eine Infoanzeige auf dem Hwy in Vancouver hatte uns verraten, dass die Fähre nach Nanaimo auf Vancouver Island schon zu 64% belegt war. Deshalb fuhren wir mit gespannten Erwartungen zum Check- In Schalter von BC Ferries und hatten tatsächlich das Glück noch einen Stellplatz für unseren 7,5m langen Truckcamper zu ergattern. Nur der Preis für diese Überfahrt war dann doch recht überraschend – C $ 126,35 für ein Fahrzeug und zwei Erwachsene! Nach kurzem Schlucken und mit dem Wissen, dass wir die nächsten sieben Tage auf dieser Insel verbringen würden, bezahlten wir via Kreditkarte und reihten uns in die Warteschlange ein. Unser Camper wurde zusammen mit den großen LKWs in das unterste Deck verfrachtet und wir verbrachten die 1,75 stündige Überfahrt auf der Passagierebene mit einem kleinen Happen zu Essen als Abendbrot.

Auf der Fähre und bei der Ankunft in Nanaimo gab es leider nichts mehr zu sehen, da schon längst die Nacht hereingebrochen war. Unseren Campground nahe Nanaimo erreichten wir gegen 21:00 Uhr. Der Campingplatzwart hatte gute Laune und auch scheinbar noch viel Zeit übrig, denn er erklärte uns ausführlich die nahegelegenen Sehenswürdigkeiten und drückte uns ein Prospekt zum Pacific Rim National Park in die Hand. Wieder ein fabelhaftes Beispiel für die Hilfsbereitschaft der Kanadier.

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