Kuélap – Festung der Nebelkrieger & die Mausoleen von Revash

Das nächste Ausflugsziel mit Sheila war Kuélap – die Festung der Nebelkrieger. Die Anfahrt erfolgte in über 2,5 Stunden von Chachapoyas mit dem Auto, einem Bus und die letzten Höhenmeter mit Perus modernster Seilbahn (Eröffnung 2017). Auf fast 3000 m Höhe waren wir den Wolken ganz nah und konnten gut nachvollziehen, weshalb die Chachapoya in der Inkasprache Quechua auch als Wolkenmenschen bzw. Nebelkrieger bezeichnet wurden.

Kuélap ist eine ehemalige befestigte Stadt der Chachapoya mit drei Ebenen, welche zwischen 500 und 800 n. Chr. erbaut wurde. Wobei die obersten Ebenen der Festung vermutlich den Eliten vorbehalten waren und als geistiges sowie kulturelles Zentrum dienten. Diese befestigte Stadt wurde mit über 700.000 m³ Steinvolumen errichtet – was 3 mal dem Steinvolumen der Kheops Pyramide in Ägypten entspricht. Kuélap beherbergte in ihrer Blütezeit bis zu 3000 Einwohner.

Die Festung besitzt 3 bis 21 m hohe Mauern und erstreckt sich über ein Areal von fast 7 ha.

Der Haupteingang zur Festung ist seit einiger Zeit wegen Restaurierungsarbeiten gesperrt. So benutzten wir den Eingang 3, welcher nicht weniger beeindruckend war. Zur damaligen Zeit war das der Lieferanteneingang für Nahrung und Wasser. Alle drei Eingänge verengen sich zum Ende hin so sehr, dass nur noch eine Person gleichzeitig durchgehen kann. Dies stellte eine Sicherheitsvorkehrung der Chachapoya dar.

Vermutlich ca. 420 Rundhäuser besaß die Festung, von denen nur noch die Grundmauern stehen. Lediglich eins würde zu Anschauungszwecken rekonstruiert. Alle Häuser wurden von den Chachapoya rund gebaut, um sie so erdbebensicher zu errichten. Später wurden nach der Eroberung der Inkas einige rechteckige Bauten hinzugefügt.

An einigen Häuserwänden sind außen rauten- oder zigzagförmige Verziehrungen angebracht. Diese symbolisieren die Gottheiten der Chachapoyaner: Rauptier, Schlange oder Kondor. In diesen Häusern wohnten ausschließlich die Eliten.

Sheila unsere Reiseleiterin führte uns durch diese Kulturstätte, die auch als Machu Piccu des Nordens gehandelt wird.

Ein paar Lamas grasten munter zwischen den archeologischen Ruinen und waren ein weiteres Highlight für die Touristen.

Auf der obersten (ersten) Ebene der Festung befindet sich ein mystischer Ort. Dieser ist auch bekannt als „El Tintero“ – das Tintenfass. Der Spitzname beschreibt die Form des Gebäudes, welches einem Tintenfass ähnelt, was sich nach unten verjüngt. In der Mitte der oberen Plattform befindet sich ein tiefes Loch, in dessen Inneren Knochen gefunden wurden. Es wird davon ausgegangen, dass dieser Ort für rituelle Zeremonien benutzt wurde, in welcher Menschenopfer dargebracht wurden. Manche Archeologen vermuten auch, dass die Anlage als Observatorium benutzt wurde.


Die letzten Nächte in Chachapoyas durften wir in einem Hotel verbringen, das im Kolonialstil erbaut wurde.

Am darauf folgenden Tag wurden wir von Chachapoyas ins etwa 60 km südlich gelegene Revash gefahren. Dies liegt auf etwa 2800 Höhenmetern, umgeben von einem wunderschönen Gebirgspanorama.

Während einer kurzen ca. 2 km langen Wanderung konnten wir viele der hier typischen Wohnbauten sehen. Diese sind ähnlich wie Blockhäuser aus Baumstämmen gefertigt und die Zwischenräume sind mit Lehm gefüllt.

Nach der Wanderung erreichten wir das Mausoleum von Revash. Dieses wurde von ca. 1100 bis 1300 n. Chr. von der Chachapoya-Kultur als Begräbnisstätte genutzt. Das Mausoleum wurde an einer Felswand gebaut und die gemauerten Häuschen sind bis zu 3 Stockwerke hoch.

Die Farben – creme und rot, mit denen die Häuschen bemalt wurden, sind noch größtenteils erhalten. Es gibt auch hier einige dekorative Zeichnungen z. B. in Form von Lamas oder dem Kreis des Lebens. Zudem besitzen die Häuser fensterartige Verzierungen in T- und Kreuzform. Die Häuschen sind mit ca. 1 Meter nicht sehr hoch aber waren ausreichend, um die Mumien in Sitzposition abzulegen.

Die Mumien, die sich in diesem Mausoleum befanden, wurden von Grabräubern gestohlen oder von Nagetieren gefressen.

Mumien konnten wir aber danach noch im Museum von Leymebamba sehen, welches im Jahre 2000 eingeweiht wurde. Dieses Museum beruht auf einer Begräbnisstätte, die einheimische Bauern während ihrer Feldarbeiten am Kondorsee 1997 entdeckt hatten. Leider verging bis zur ersten archeologischen Erkundung 1998 sehr viel Zeit, so dass viele Relikte bereits auf dem Schwarzmarkt gelandet waren. So konnten Sonia Guillen und Adriana von Hagen nur noch die „wertlosen“ Artefakte in Form von 200 sehr gut erhaltenen Mumien bergen und mit Hilfe von internationalen Organisationen retten.

Wie uns vorher unbekannt war, beherrschten nämlich auch die Chachapoya das Handwerk, ihre Mumien zu konservieren – nicht nur die Ägypter. Der Anblick war zwar etwas gruselig, aber dennoch sehr einprägsam. Das Leymebamba Museum besitzt neben den 200 Mumien ebenfalls viele andere Ausstellungsstücke aus der Chachapoya- und auch der Inka-Zeit. So kann man hier z. B. etwas über Quipus (Kipou ausgesprochen), die komplexe Knotenschrift der Inka, lernen. Es wird vermutet, dass diese geknoteten Fäden ein Zählinstrument darstellen, welche zur Dokumentation der Bevölkerungsentwicklung, des Viehbestand und andere Reichtümer eines Ortes dienten.

Im Außengelände des Museums gab es noch eine Art „Streichelzoo“ mit Alpakas. Das junge braune Alpaka eignet sich hervorragend für Selfies und es war sehr „fluffy“ – flauschig. Die älteren waren nicht ganz so freundlich gestimmt und hätten uns beinahe bespuckt.

Für die Übernachtung wurden wir in einem schlichten Hotel in Leymebamba untergebracht.

Ein Gedanke zu “Kuélap – Festung der Nebelkrieger & die Mausoleen von Revash

  1. O da kann man echt die wahnsinnigen Höhen erkennen, doch sieht Alles sehr natürlich und unberührt aus. Fuer eine Auszeit der perfekte Ort.
    Seid lieb gedrückt.

    Gefällt 1 Person

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