Trujillo, Tempel & die Stadt aus Lehm

Statt 7,5 Stunden dauerte die Fahrt mit dem Bus von Cajamarca nach Trujillo nur 6,5 Stunden. So kamen wir schon 04:30 Uhr in total übermüdeten Zustand in Trujillo an. Denn während der Busfahrt schliefen wir, trotz sehr tief gestellter Rückenlehne, sehr schlecht. Im Busterminal warteten wir dann zur Sicherheit noch über eine Stunde bis es hell wurde. Dann ließen wir uns mit einem Taxi zum Hotel bringen. Da der Check-in erst um 13:00 Uhr war, gaben wir vorab nur unsere Kraxen an der Rezeption ab.Total müde liefen wir durch die Straßen, auf der Suche nach einem Frühstückscafé. Fast alle Geschäfte waren noch geschlossen, aber an einer Straßenecke fanden wir schließlich eine kleine Bäckerei, welche schon geöffnet war. Dort konnten wir dann zumindest ein einfaches Frühstück bekommen. Danach liefen wir noch ein bisschen durch die Stadt und bewunderten die vielen bunten Fassaden.

Gegen 10:00 Uhr beschlossen wir zum Hotel zu gehen mit der Hoffnung, dass unser Zimmer schon bezugsfertig ist. Der Plan ging auf und so durften wir glücklicherweise schon vorab einchecken. Bis zum Abend holten wir unseren wohl verdienten Schlaf nach und gingen erst zum Abendessen noch einmal raus. Auf dem Rückweg vom Restaurant verweilten wir am Plaza de Armas de Trujillo. Denn hier fand gerade eine Challenge von fünf Blasmusikkapellen statt und viele Zuhörer waren gekommen um ausgelassen zu feiern.

Für die nächsten Tage hatten wir uns eine Tagestour in einem Kleinbus und mit englischsprachigem Guide gebucht. In der Umgebung von Trujillo gibt es viele sehenswerte Kulturstätten der Moche- und Chimú-Kultur.

Zuerst ging es, nördlich von Trujillo, zum Regenbogentempel – auch Drachentempel genannt. Die Präinka-Kultur der Moche beteten hier den Regenbogen an, der auf vielen Lehmwänden in Fresken dargestellt ist. Der Regenbogentempel war ein Verwaltungs- sowie zeremonielles Zentrum der Moche-Kultur.

Zur Konservierung der Lehmbauten sind fast alle archäologischen Stätten in dieser Gegend mit Blechdächern versehen, hauptsächlich um Sie gegen die starken Regenfälle des El Niño Phänomens zu schützen.

In diesen Kammern wurden die Opfergaben in Form von Früchten- oder Getreidespenden gesammelt.

Die nächste Station war ein Chimú-Tempel namens Huaca Esmeralda (Smaragdtempel). Hier laufen die typischen peruanischen Nackthunde aus einer kleinen Hundezucht frei umher und bewachen das Areal. Aber sie sind ganz verträglich und verhalten sich den Besuchern gegenüber ruhig.

In diesem Tempel war die Verbundenheit zum Meer in den Fresken erkennbar. Besonders der Wels (Catfish) wurde vermehrt dargestellt. Das Verhältnis der Küstenkulturen zum Lebensraum Ozean war von Furcht und Dankbarkeit geprägt. Zum einen war der Fischfang, sowohl für die Moche, als auch für die Chimú essentiell zum Überleben. Zum anderen war diesen beiden Kulturen bereits der Zusammenhang zwischen den Meeresströmungen und den verherrenden Regenfällen des El Niño Phänomens bewusst.

Danach erfolgte der Besuch des Museo de Chan Chan. Hier bekommt man einen guten Eindruck vom Leben der Chimú-Kultur in der ehemaligen Hauptstadt Chan Chan.

Die schwarzen Keramiken waren das Markenzeichen der Chimú. Durch ein spezielles Brennverfahren unter Ausschluss von Sauerstoff erhielten diese Keramiken ihre glänzende schwarze Farbe.

Anschließend begaben wir uns zu den Überresten der Stadt aus Lehm. Chan Chan wurde gegen 1300 n. Chr. von den Chimú gegründet und erlebte seine Blütezeit rund 150 Jahre später. Die damalige Einwohnerzahl belief sich auf ca. 60.000 Personen und über eine Ausdehnung von 28 Quadratkilometern. Dies machte die Stadt vermutlich zum größten Ballungsraum in ganz Amerika zu jener Zeit.

Die ersten 10 Minuten auf unserer Busfahrt durch diese historische Stätte nahmen wir gar nicht so wahr, da die meisten Gebäude eher schlichten Steinhügeln glichen und nur wenige alte Strukturen von Sand und Dreck befreit waren. Eines der wenigen gut erhaltenen Gebäude ist der Palast von Nik-An. Bereits die Außenmauern mit ihren fünf Metern Höhe (zu früheren Zeiten sollen es bis zu 12 Meter gewesen sein) brachten uns zum Staunen. Das Sicherheitskonzept dieses Palastes war einfach, aber genial. Es gab nur ein Eingangstor (Bild oben), welches sich zur Innenseite hin immer weiter verengte, bis nur noch eine Person bzw. ein Lama diesen Durchgang passieren konnte. Die Wächter auf der anderen Seite hatten somit die volle Kontrolle über die Besucher und deren Waren. Dieses Konzept kommt auch den heutigen Ticketkontrolleuren zu Gute.

Sobald man das Tor passiert hat, gelangt man in einen riesigen Innenhof, den Plaza Cerimonial Principal. Wie der Name schon andeutet, wurden hier rauschende Feste gefeiert, die jedoch der Herrscherfamilie und den betuchteren Eliten Chan Chans vorbehalten blieben. Eine Soundprobe offenbarte die überraschend gute Akustik dieses Open-Air-Thronsaals.

Hinter diesen Mauern befanden sich dann die Privatgemächer der Herrscherfamilie. Die Wände des Hofes waren mit den Fresken von Viscachas (gehören zu den Chinchillas) geschmückt.

Die Wände in den nächsten Gängen griffen wiederum die maritimen Themen auf mit den dargestellten Fischen und Enten.

Danach betrat man einen Bereich, in dem administrative Verwaltungsaufgaben getätigt wurden, ein antiker Bürokomplex sozusagen (die Zwischenwände waren im Originalzustand natürlich höher gewesen) .

Die einzelnen Räume besaßen an ihren Sockelleisten unterschiedliche Fresken, je nach Funktion des Raumes als Amtsstube oder Aufbewahrungsort der eingetriebenen Steuern. Die Freske vom Kolibri (rechtes unteres Bild der Kollage) ist ein beliebtes Motiv in der gesamten Küstenregion Perus. Die rautenförmigen Aussparungen in den Wänden dienten der Luftzirkulation und somit einer Klimatisierung der Zimmer. Diese Räume waren nicht überdacht gewesen und um den darin arbeiteten und warteten Menschen etwas Abkühlung zu verschaffen, wurde dieses System erdacht.

Zum Schluss besichtigten wir noch den „Palastteich“, von dem aber außer einer Ansammlung von Grünpflanzen nichts weiter zu sehen war. Dieser ausgetrocknete Tümpel war ein Mahnmal für den Untergang Chan Chans im 15. Jahrhundert. Zu dieser Zeit verfolgten die Inka die Eroberungsstrategie, die Wasserversorgung aus den umliegenden Bergflüssen zu unterbrechen. Die Chimú, die jahrzehntelang die Expansionsfeldzüge der Inka erfolgreich abgewehrt hatten, konnten die darauffolgende Wasserknappheit nicht mehr kompensieren. Auch der Versuch, das salzige Grundwasser durch das Anpflanzen von Schilfrohr zu filtrieren und daraus Trinkwasser zu gewinnen, brachte nicht den gewünschten Befreiungsschlag. Somit wurde Chan Chan im Jahr 1470 von den Inka erobert und nochmal 60 Jahre später von den spanischen Conquistadores überrannt, geplündert und in weiten Teilen zerstört.

Anschließend fuhren wir zum nahegelegenen Fischerdorf Huanchaco und machten dort eine einstündige Mittagspause. Imre probierte dabei eine sehr pikante Variante von Chevice.

Gut gestärkt liefen wir noch an der Standpromenade entlang und begutachteten das Strandtreiben. Viele Surfer, aber auch die für hier typischen Schilfboote, tummelten sich im Wasser.

Danach ging die Fahrt auf die entgegengestzte Seite von Trujillo, zum Mond- und Sonnentempel. Davor besuchten wir aber das dazugehörige Museum, Museo del Sitio.

Das Museum zeigt eindrucksvoll die Bedeutung der beiden Bauten für die Moche Kultur, die bis ca. 800 n. Chr. in diesem Küstenabschnitt herrschte. Nach dem einstündigen Museumsbesuch war der letzte Programmpunkt des Tages erreicht, ein Spaziergang durch die Ausgrabungsstätte des Huaca de La Luna (Mondtempel). Der Mondtempel machte von außen keinen sonderlich interessanten Eindruck. Ein großer brauner Steinhaufen mit vielen Wellblechüberdachungen und noch mehr Sichtschutzwänden aus Bambus und Plastik. Doch der wahre Schatz sollte sich uns erst im Inneren erschließen.

Umfangreiche archäologische Ausgrabungen fanden bis jetzt nur im Huaca de La Luna statt. Diese ergaben, dass es sich bei diesem Bau um eine spirituelle Kultstätte der Moche handelte. Eine dieser markaberen Entdeckungen schließt den Fund eines Opferplatzes oberhalb der schwarzen Steinrampe (oberes Bild am rechten Rand) mit ein. Die Moche veranstalteten rituelle Zweikämpfe mit anschließender Opferung des Verlierers um den „Berggott“ (Deidad de la montaña) gnädig zu stimmen. Die Opfer wurden vor ihrer rituellen Tötung mit Drogen betäubt und ihnen wurde anschließend die Kehle durchgeschnitten. Das Blut wurde vom Hohepriester aufgefangen und von der höchsten Tempelmauer geschüttet, um der einfachen Bevölkerung in der angrenzenden Stadt zu zeigen, dass das Ritual erfolgreich vollzogen wurde.

Ein anderer spektakulärer Fund im künstlerischen Sinne sind dieses bemalten Wandreliefs, die in ihrem Zentrum den Berggott, ein Hybrid aus Mensch und Jaguar, zeigen. Diese originalen Wandfarben überdauerten mehr als 1200 Jahre!

Das Geheimnis ihrer Konservierung liegt im Baukonzept der Moche begründet. Nach jeweils ungefähr 30 Jahren wurde die Tempelanlage vollkommen aufgegeben und mit tausenden von Lehmziegeln versiegelt. Anschließend wurde ein neuer Tempelkomplex zu Ehren des Berggottes auf der alten Baustruktur errichtet. Somit enthält der Mondtempel mindestens fünf Bauebenen aus unterschiedlichen Epochen. Die Archäologen konnten von der obersten Ebenen (Nr. 5) bis zur dritten Ebene vordringen, weitere Grabungen würden die Statik der gesamten Anlage gefährden. Die Lehmziegel haben übrigens alle Gravierungen, denn zur damaligen Zeit wurden Steuereintreibungen durch die Herstellung dieses Baumaterials beglichen.

Die Archäologen mussten auch feststellen, dass diese Wandfarben extrem schnell verblassen, wenn sie dem Sonnenlicht ungeschützt ausgesetzt sind. Deshalb wurden hier großflächig Sichtschutzblenden angebracht.

Auf dem Aussichtspunkt des Tempels hat man einen spitzen Überblick auf den angrenzenden Tempel Huaca del Sol (Sonnentempel) und die dazwischen liegende antike Moche – Siedlung, in der gerade Ausgrabungen stattfinden. Der Huaca del Sol war zu seiner Glanzzeit um einiges größer gewesen, aber die goldversessenen Spanier fanden in seinen Gemäuern einige Edelmetalle eingelassen, worauf sie mit Abtragung des Tempels begannen. Bis heute fanden dort keine Ausgrabungen statt, aber man weiß bereits, dass es sich hier um das weltliche Verwaltungszentrum der Moche handelt.

Der letzte Höhepunkt dieser Tour bestand in der Besichtigung der Reliefs an den Außenmauern des Mondtempels. Sieben verschiedene Reliefebenen in unterschiedlichen Farben lassen sich hier ausmachen. Die untersten Reliefe thematisieren den rituellen Zweikampf und die Tänze der Priester. Auf den mittleren Ebenen werden die niedrigeren Götter dargestellt, wie eine Spinne mit zwei Gesichtern, der Fischergott oder eine Chimäre aus Katze und Reptil. Die obersten Wandgemälde zieren die Schlange (Symbol für den lebensspenden Fluss) und natürlich der Berggott.

Und natürlich durfte ein Bild mit dem auferstandenen Moche Herrscher nicht fehlen, besonders wenn er so großzügigerweise seine Insignien mit Imre teilt.

Dieses Relief zeigt nochmal gebündelt den Kosmos der Moche mit ihren Göttern, Geisterwelten und rituellen Praktiken.

Wir haben einen beeindruckenden Tag in diesen Weltkulturerbestätten verbracht, auch Dank den informativen Ausführungen unserer Reiseleiterin.

Die bunten Kugeln in einigen Bäumen erinnerten uns an das herannahende Weihnachtsfest und auch für uns war nun die Zeit gekommen weiterzuziehen – nächster Halt Huaraz!

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